Presse | Traditionelle Gewerbe sind Zugpferde der Region

Quelle: inSüdthüringen.de Autor & Bild: Wozniak

Bild 1: Rainer Martin hat in seiner Werkstatt in der Sonneberger Bahnhofstraße ein Bärenmuseum eröffnet, wo auch die Herstellung der knuddeligen Kleinen besichtigt werden kann.

Bild 2: Bei Martin in Sonneberg gibt es Teddys zu sehen.

Lauscha / Steinach / Rauenstein / Sonneberg - Spielzeug, Glas, Porzellan und Schiefer - die Aufzählung traditioneller Branchen der einstigen Gewerberegion liest sich wie eine Themenvorlage für einige Museen des Landkreises. Denn jenseits des Flaggschiffs Spielzeugmuseum gibt es eine Reihe kleinerer kommunaler, privater und Firmenmuseen, die die Fahne des Sonneberger Wirtschaftsraumes hochhalten.

"Unsere Sammlung baut sich auf aus der Sammlung, die unsere Väter, Großväter und Urgroßväter zusammengetragen haben, aber auch die Bereiche Thüringer Glas, Glas aus ganz Deutschland und internationales Glas sind zu sehen", umreißt Lauschas Museumsleiter Günter Schlüter das Profil seines Hauses. Seit vier Jahren leitet der Diplomingenieur für wissenschaftlichen Gerätebau das Museum für Glaskunst. Im künstlerischen Glas ist der in Wismar aufgewachsene Ernstthaler ein Quereinsteiger. An der Freien Universität Berlin absolvierte er ein Zusatzstudium in Museumsmanagement. Schlüter will das Museum zum kulturellen Zentrum der Glasbläserstadt machen. Dabei begeht er neue Wege, ohne das Alte aus dem Auge zu verlieren. Schlüter bemüht sich um eine Balance zwischen Tradition und Moderne. "Auch mit 400 Jahren Glasgeschichte kann Lauscha in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn wir uns nicht weiterentwickeln", sagt Schlüter. Mit etwa 12 000 Besuchern im Jahr ist die Besucherzahl relativ konstant. Vier bis fünf Sonderausstellungen werden den Gästen geboten. Eine besondere Rarität ist die noch bis zum 17. Januar 2010 zugängliche Sonderschau "Blaschka - Gläserne Geschöpfe des Meeres". Leopold und Rudolf Blaschka fertigten zwischen 1863 und 1890 in ihrer Dresdner Werkstatt hunderte Glasmodelle von faszinierend geformten Meereslebewesen zu biologischen Anschauungszwecken. Die nächsten Sonderausstellungen sind bereits in Vorbereitung. Mit "Grafik trifft Glas" werden ab Januar in einer Sonderausstellung diese beiden Kunstformen auf unterschiedlichen Materialien zusammengeführt. Neben Farblithographien eines bulgarischen Künstlers werden Glasobjekte mit graphischen Gestaltungen gezeigt. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Grafikmuseum Bad Steben vorbereitet. Aber auch das große Thema des Jahres 2010 - 250 Jahre Porzellanland Thüringen - findet seine Widerspieglung im Glasmuseum. Es werden zwei Kabinettausstellungen zu sehen sein - "Miniaturmalereien auf Porzellanplatten" und "Beinglas als Porzellanersatz". "Das derzeit größte Problem des Museums ist der fehlende Platz", sagt Schlüter. Dabei liege die oberste Priorität nicht einmal bei der Erweiterung der Ausstellung, sondern vielmehr bei der Schaffung vernünftiger konservatorischer Bedingungen. Nur zehn Prozent der Bestände befänden sich in der ständigen Ausstellung. Mit dem geplanten Umzug in die Goetheschule würde sich die Ausstellungsfläche von derzeit rund 300 Quadratmetern auf rund 700 Quadratmeter mehr als verdoppeln, aber vor allem wären dort die nötigen Platzkapazitäten vorhanden, um die Sammlung in entsprechenden konservatorischen Rahmenbedingungen zu erhalten. Schlüter hofft, dass dieser Umzug bald in Angriff genommen werden kann. Nur ein paar Kilometer weiter lockt das nächste Museum mit zwei weiteren traditionellen Gewerben - Schieferverarbeitung und Spielzeugherstellung. Zwei Museen in einem beherbergt nämlich das Schloss in Steinach - das Deutsche Schiefermuseum und die Spielzeugschachtel. Mit den Besucherzahlen der großen Häuser der Region kann man allerdings in Steinach nicht mithalten. Ja selbst vom privat betriebenen Goldmuseum mit rund 14 000 Besuchern wird man weit überholt. "Zu 2008 haben sich die Zahlen leicht erhöht", schätzt Museumsleiter Bernd Vogel die Situation in Steinach ein. Allerdings liegen diese stabilen Zahlen um die 3 000 Besucher. In Steinach setzt man seit Jahren auf attraktive Sonderausstellungen, die bislang kaum museal beleuchtete Themen aufgreifen. Stand im vergangenen Jahr das Walter-Funkwerk in Neuhaus am Rennweg im Fokus der Exposition, widmet man sich derzeit dem Brauchtum aus dem Erzgebirge. Fürs kommende Jahr bereitet man die Präsentation einer Mineraliensammlung vor. Nach der Ausstellung von Mineralien aus aller Welt überließ Wolfgang Wiegand aus Hasenthal seine Sammlung dem Museum. Angedacht ist eine ständige Präsentation im Vorraum der wechselnden Sonderausstellungen. Dem Spielzeug verpflichtet Setzt Steinach wenigstens zur Hälfte auf das Thema Spielzeug, so haben sich eine ganze Reihe von Firmenmuseen der Spielzeugbranche oder solchen, die aus der Spielzeugherstellung hervorgegangen sind, verschrieben. Historische Wurzeln in der Spielzeugherstellung hat das Unternehmen Somso in Sonneberg, wo noch heute anatomische Lehrmittel hergestellt werden. Seit einigen Jahren kann man den Weg vom Spielzeug zum Lehrmittel in einem Firmenmuseum verfolgen. Nach telefonischer Anmeldung können Führungen vereinbart werden. Zu den großen Ereignissen wie Stadtfest oder Museumstag kommen schon mal über 300 Besucher am Tag. Zu den Exponaten gehören die verschiedensten menschlichen Modelle, Pflanzen und Früchte aus aller Welt, anatomische Tiermodelle und überdimensionale Köpfe und Körperteile als Hörsaalmodelle. Eine Ausbildung zur Herstellung anatomischer Lehrmittel absolvierte einst auch der gelernte Figurenmaler Richard Mahr in Steinach. Mit seiner Frau Minna begann er 1900 in der Küche des elterlichen Wohnhauses in Steinach mit der handwerklichen Produktion von Krippenfiguren aus Papiermaché. Evelyn Forkel, die Urenkelin des Firmengründers, führt heute in vierter Generation das Familienunternehmen. Neben einem Verkaufsraum und einem Musterzimmer gibt es auch bei Marolin ein kleines Museum. In zwei Räumen kann der Besucher in die wechselvolle Geschichte von Marolin eintauchen. In einem Raum wurde die urgroßelterliche Küche nachgestaltet, wie sie schon zur 100jährigen Jubiläumsausstellung im Deutschen Schiefermuseum zu sehen war. Der zweite Raum vermittelt einen kleinen Eindruck von Handelskontor und Büro aus jener Zeit. Auf dem Schreibtisch liegt die Brille von Richard Mahr, so als habe er den Raum nur für kurze Zeit verlassen, daneben ein Musterkoffer mit den Figuren aus Papiermaché. Erfreut zeigte Forkel den jüngsten Neuzugang der Ausstellung: ein kompletter Krippensatz, "Baujahr" 1936. "Eine Familie aus Brandenburg überließ uns diese Krippe mit einem Begleitbrief", erzählt Forkel. 1936 wurde die Krippe in Waldenburg in Schlesien gekauft. Nach Krieg und Flucht gehörte diese zu den wenigen Habseligkeiten, die die Familie sorgsam hütete. In den alten Lieferbüchern fand Forkel den Eintrag über die Lieferung an die Händlerin in Waldenburg. Kleinod Rauenstein Ein weiteres Kleinod unter den Firmenmuseen findet sich in Rauenstein. Über zwei Etagen erstreckt sich dort das Schildkröt-Puppen-Museum. 1993 kam die Firma Schildkröt nach Rauenstein und bezog das einstige Gebäude der PGH. Heute sind 46 Mitarbeiter mit der Fertigung der Schildkröt-Puppen beschäftigt. Im Spielbereich gibt es Puppen zwischen 25 und 180 Euro, im Sammlerbereich kann es durchaus bis 350 Euro gehen. Am 9. August 1996 wurde nach langen Vorbereitungsarbeiten das Museum eröffnet. Die lange Tradition der Schildkröt-Puppen war für die Unternehmerfamilie Biemann der ausschlaggebende Punkt zur Einrichtung dieses Museums. Ob nun die Schaustücke wie das nostalgische Riesenrad oder der Spielwarenladen vom Anfang des 20. Jahrhunderts oder die zahlreichen Puppen aus der über hundertjährigen Geschichte von Schildkröt, es gibt hier einiges zu entdecken. Man sieht sich hier auch nicht als Konkurrent zu den Spielzeugmuseen in Sonneberg, Neustadt oder Coburg, sondern vielmehr als Ergänzung. Geht es doch in Rauenstein speziell um die Puppen von Schildkröt, die in dieser Ausführlichkeit in keiner anderen Puppenausstellung zu finden sind.

Das jüngste der Firmenmuseen im Landkreis wurde am 25. Mai 2008 eröffnet - das Bärenmuseum von Teddy-Martin in Sonneberg. Über 30 000 Teddybären haben hier ihr Zuhause. Liebevoll in Szenerien arrangiert, erlebt der Besucher die Teddys in der Schule, im Zirkus, auf einem Piratenschiff oder in einer Volksfestkulisse. Für die Gestaltung der Schaubilder hat sich Trude Martin alle Mühe gegeben. Seit 2002 hat sich die Seniorchefin auf derartige Schaustücke spezialisiert. Rekordteddybären Im Schaufenster ist der größte Teddy der Welt, der es bis ins Guinness Buch der Rekorde schaffte, zu sehen und im Hause gibt es auch den kleinsten Teddy der Welt, nicht größer als ein Stecknadelkopf. Originell auch die Eintrittskarte zum Teddymuseum, denn jeder Besucher bekommt einen kleinen Martinbären, acht Zentimeter groß, als Erinnerungsgeschenk. Rainer Martin fertigt in seinem Familienunternehmen noch heute Teddybären wie in alter Zeit.

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