...und wer ist Karlchen?

Als Heiko noch ganz klein war, hat er Papas Teddy bekommen.

Der Teddy war braun mit ganz weichen, plüschigen Ohren. Aus dem großen runden Kopf schauten zwei schöne schwarze Augen ganz liebevoll. Er hatte eine kleine, helle Schnauze mit einer süßen Nase und einem schönen, lächelnden Mund. Der Teddy war mit Holzwolle gefüllt und die Arme und Beine konnte man bewegen. Das war zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich. Und der kleine Heiko war ganz sehr stolz auf seinen Teddy, den er Nikki nannte. Er hat seinen Nikki ganz doll lieb gehabt.

Über die Jahre wurde der kleine Heiko größer. Er kam vom Kindergarten in die Grundschule. Nikki war jahrelang der Begleiter vom kleinen Heiko gewesen. Über die vielen Jahre, in denen der kleine Heiko mit seinem Nikki unterwegs war, ging der Teddy auch immer mal wieder kaputt. Hier war in kleines Loch, wo die Holzwolle heraus schaute, da verrutschte das Gelenk an Nikkis rechtem Bein oder an einem Arm. Der kleine Heiko nähte und reparierte Nikki, wo er nur konnte. Er hatte ja seinen Teddy ganz doll lieb.

Nikki hatte bis auf die weichen plüschigen Ohren ein ganz kurzes braunes Fell. Dieses wurde über die Jahre immer lichter, wie der Kopf von Papa. Aber so wie das Fell von Nikki mit den zunehmenden Jahren ganz langsam ausfiel, so wenig spielte der kleine Heiko noch mit seinem Lieblingsteddy. Er nahm Nikki auch nicht mehr bei seinen Unternehmungen mit. Der kleine Heiko wurde langsam ein großer Junge und spielte bald gar nicht mehr mit Teddybären oder anderen Plüschtieren. Nikki saß dann lange Zeit nur noch auf der alten braunen Couch in Heikos Zimmer und er bekam immer weniger Beachtung oder Aufmerksamkeit geschenkt.

Irgendwann verstaute Heiko seinen Nikki, alle seine Plüschtiere und seine andere Spielsachen in große Plastiktüten und Kartons. Diese brachte er in den Keller, wo sie viele Jahre herum standen. Und bald vergessen waren...

Viele Jahre vergingen... Der Heiko war schon längst erwachsen geworden, da besuchte er über Weihnachten seine Eltern. Seine Schwester war auch dabei. Am Abend schauten sie sich gemeinsam alte Photos an. Viele dieser Photos waren noch schwarz/weiß, besonders die von Mama und Papa, wo die beiden noch jünger waren. Heiko hatte über die vielen Jahre, seinen Nikki schon längst vergessen.

Aber da! Auf einem dieser alten Photos erkannte Heiko seinen Lieblingsteddy, Nikki. Auf dem Photo stand Papa, mit seinen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen und er hielt den Teddy auf seinem Arm. Papa hatte den Teddy auch einmal geschenkt bekommen. Auf dem alten Photo wiegte Papa ihn, wie ein kleines Kind auf seinem linken Arm. Papa musste diesen Teddy auch ganz doll lieb gehabt haben. Und noch mehr musste Papa seinen kleinen Heiko lieb gehabt haben. Denn Papa schenkt ja seinen Teddy dem kleinen Heiko.

Es vergingen wieder ein paar Jahre. Heiko erinnerte sich manchmal an das alte Photo mit seinem Papa und seinem Nikki im Arm. Der Papa war jetzt schon ein Opa und auch nicht mehr von bester Gesundheit.

So beschloss Heiko, dass er Nikki wieder seinem Papa zurück schenken will. Am Besten wenn der Papa das nächste Mal Geburtstag hat. Papa würde sich bestimmt über seinen Teddy ganz doll freuen.

Heiko begann Nikki zu suchen. Im Keller, in seinem alten Kinderzimmer, in den Schränken, wieder im Keller… überall. Er konnte Nikki aber nicht finden. Auch viele seiner anderen Plüschtiere und Spielsachen waren nicht mehr da.

Da fiel Heiko ein, dass er und Mutti einmal die Plüschtiere und Spielsachen im Keller aussortiert haben. Die Spielsachen, die noch gut waren, wurden verschenkt. Die Spielsachen und Plüschtiere, die kaputt waren oder keiner mehr haben wollte, kamen in den Müll. Nikki wurde sehr oft repariert, geflickt und an so vielen Stellen fehlte das Fell, dass Nikki bestimmt niemand mehr haben wollte...

… Nikki war nun weg, weg für immer.

Heiko war traurig. Er überlegte sehr lange was er tun könnte. Er wollte seinem Papa einen Teddy zum Geburtstag schenken, der wirklich von Herzen kam. Er fuhr mit der Eisenbahn in die Spielzeugstadt, nach Sonneberg. Dort gibt es ein Spielzeugmuseum und noch Geschäfte, die mit Seele, Herz und Liebe Spielsachen, Plüschtiere und Teddybären herstellen. Aber so einen Teddy, wie Nikki konnte Heiko nirgendwo in der Spielzeugstadt finden. Auch die Bären-Muttis, die dort arbeiten, wo der größte Teddybär der Welt steht, konnten Heiko erst einmal nicht helfen. So bekam der Papa zu seinem Geburtstag leider keinen Teddybären geschenkt. Einen Teddybären ohne Seele, Herz und Liebe zu verschenken kam für Heiko einfach nicht in Frage.

Heiko gab nicht auf und suchte weiter. Er wollte seinem Papa nur den einzigen, den richtigen, den perfekten Teddybären schenken. Es war ja noch knapp ein Jahr Zeit, bis der Papa wieder Geburtstag hat. Bis dahin wird Heiko es schon schaffen, den richtigen Teddy zu besorgen.

Beim Aufräumen seiner Wohnung fand Heiko seine Babydecke. Sie war blau und weiß, wie ein Wolkenhimmel. Da war der Herr Fuchs und die Frau Elster drauf, viele Vögel und Blumen. Die Babydecke war jetzt alt und sah an manchen Stellen überhaupt nicht mehr schön aus. Heiko hatte gedacht er hätte sie schon längst weggeworfen. Dieses alte Erinnerungsstück. Da bekam Heiko eine Idee…

Heiko fuhr wieder mit der Eisenbahn in die Spielzeugstadt. Diesmal mit seiner alten Babydecke im Gepäck. Er ging wieder zu den Bären-Muttis und bat sie einen Teddybären aus seiner alten Babydecke zu nähen. Der Teddybär sollte sooo groß werden ,wie es nur möglich war. Mit beweglichen Armen und Beinen und einem schönen, lieben Gesicht. Für Heiko war besonders wichtig, dass der Teddy mit Liebe, Seele und dem Herzen am rechten Fleck genäht wird. Dieser Teddy könnte ein wunderbares Geburtstagsgeschenk werden...

Die Bären-Muttis nähten einen wunderschönen blauweißen Teddybären, mit ganz viel Liebe und einem kleinen grünen Herzen am rechten Fleck… Der Teddy war so schön und liebevoll gearbeitet, dass Heiko beschloss ihn nicht seinem Papa zum Geburtstag zu schenken. Er wollte ihn unbedingt selber behalten... ...das ist aber schon die Geschichte von Wölkchen, dem blauweißen Teddybären....

...und wer ist Karlchen?

Bis Papa das nächste Mal Geburtstag hat, ist es noch Zeit, fast ein halbes Jahr noch. Heiko begann alles aufzuschreiben und aufzuzeichnen, woran er sich bei Nikki erinnern konnte. Jede Kleinigkeit war ihm dabei wichtig.

Er fuhr dann wieder mit der Eisenbahn in die Spielzeugstadt zu den Bären-Muttis. Er bat sie, dass sie Ihm noch einmal einen Teddybären nähen sollten, einen Teddybären wie Nikki. Sie nähten eine wunderschönen Teddybären, so wie es Heiko aufgeschrieben und gezeichnet hatte. Sie nähten mit viel Liebe ein Unikat, einen Teddybären, den es nur ein einziges Mal auf der ganzen weiten Welt gibt.

Der Teddy hat ein braunes Fell mit ganz weichen, plüschigen Ohren. Er hat eine kleine, helle Schnauze mit einer süßen Nase und einem schönen, lächelnden Mund. Der Teddy ist mit Holzwolle gefüllt, die Arme und Beine kann man bewegen. Sogar den Kopf kann man drehen. Und die dunklen Augen blicken so liebevoll, sie leuchten im Lichtschein und in der Sonne. Sie leuchten so, als ob der Teddy leben würde und eine eigene Seele besitzt. Der Teddy hat auch eine Stimme bekommen, er kann brummen wie ein richtiger Bär oder wie Papa, der alte Brummbär... Dieser Teddy hat auch das Herz an der richtigen Stelle. Ein kleines grünes Herz.

Es war natürlich nicht Nikki. Heiko wusste es, dass er seinen Nikki, den er als kleiner Junge so geliebt hat, nicht mehr bekommen würde. Aber dieser Teddy hatte alles, was man sich von einem Lieblingsteddy nur wünschen konnte. Er wurde ganz liebevoll mit Herz und Leidenschaft gearbeitet, und er hatte eine Seele. Man möchte ihn nur noch in den Arm nehmen, ganz sehr knuddeln und mag ihn einfach nicht mehr loslassen.

Heiko hat sich auch einen Namen für ihn einfallen lassen: Karlchen. So sehr, wie Heiko Karlchen jetzt auch lieb hat, so wird er ihn schweren Herzens seinem Papa zum nächsten Geburtstag schenken. Denn den Papa hat der Heiko auch lieb. Bis dahin sitzt Karlchen auf Heikos neuer Couch, gemeinsam mit Wölckchen und der Roten Socke. Und alle drei bekommen die Beachtung die sie verdient haben...

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